Software & Beschaffung
Software wird schneller gebaut als je zuvor Wofür Sie trotzdem zahlen
Die Angebote, die Ihnen auf den Tisch kommen, unterscheiden sich plötzlich um den Faktor fünf – bei scheinbar gleichem Umfang. Das liegt selten daran, dass jemand Sie über den Tisch zieht. Es liegt daran, dass sich verschoben hat, wofür man bei Software überhaupt bezahlt.
Was sich geändert hat – und was nicht
Eine Anwendung mit Anmeldung, Rollenverwaltung, Dateiupload und Benachrichtigungen entsteht heute in einem Bruchteil der Zeit, die dasselbe vor zwei Jahren gekostet hat. Das ist keine Werbeaussage, das ist der Stand der Dinge, und Sie werden es in jedem zweiten Angebot zu spüren bekommen.
Was sich nicht verkürzt hat: Jemand muss die Anwendung betreiben. Jemand muss sie aktuell halten, wenn sich eine Schnittstelle ändert. Jemand muss erreichbar sein, wenn sie an einem Donnerstagnachmittag stehenbleibt. Jemand muss geradestehen, wenn Daten verloren gehen oder abfließen. Und jemand muss den Code tatsächlich gelesen haben, bevor er in Ihrem Haus produktiv geht.
Diese Posten sind nicht billiger geworden. Sie sind nur im Verhältnis sichtbarer, weil der Bauteil davor zusammengeschrumpft ist.
Sie kaufen keine Entwicklungsstunden mehr. Sie kaufen Verantwortung für einen laufenden Betrieb – und genau das steht in den wenigsten Angeboten.
Fünf Fragen, die ein Angebot beantworten muss
Wenn ein Angebot diese fünf Punkte nicht von sich aus klärt, ist der Preis nicht vergleichbar – egal wie detailliert die Leistungsbeschreibung aussieht.
- Wer betreibt das Ergebnis? Läuft die Anwendung bei Ihnen, beim Anbieter oder bei einem Dritten? Wer installiert Aktualisierungen, und in welchem Rhythmus? Ein Angebot ohne Betriebsmodell ist ein Angebot für die Hälfte der Sache.
- Was passiert bei einer Störung? Wer ist erreichbar, in welcher Zeit, und was kostet das? „Support nach Aufwand“ ist keine Antwort, sondern die Verschiebung der Frage auf den Tag, an dem es brennt.
- Wer hat den Code gelesen? Erzeugter Code funktioniert oft auf Anhieb und fällt bei der zweiten Änderung auseinander. Fragen Sie, wer das Ergebnis geprüft hat und was dabei herausgekommen ist. Die Antwort sagt Ihnen mehr über den Anbieter als sein Portfolio.
- Wie kommen Sie wieder heraus? Wem gehört der Code, wo liegen Ihre Daten, und in welchem Format bekommen Sie beides, wenn Sie den Anbieter wechseln? Diese Frage stellt man vor dem Vertrag, nicht nach dem Streit.
- Was ist ausdrücklich nicht enthalten? Schulung, Datenübernahme aus dem Altsystem, Anbindung an Ihre Buchhaltung, Barrierefreiheit, Datenschutzdokumentation. Ein Anbieter, der diese Liste selbst mitliefert, hat schon einmal ein Projekt zu Ende gebracht.
Warum der niedrige Preis der teurere sein kann
Wir haben unsere eigene Blogproduktion automatisiert und dabei etwas erlebt, das sich auf jedes Softwareprojekt übertragen lässt: Das Erzeugen war der unkomplizierte Teil. Die Zeit ging beim Anschließen verloren – Dateirechte, die kein Fehlerbild erzeugen, sondern nur ein fehlendes Bild. Eine Konfigurationsdatei, die still eine Systemvorgabe ersetzt und danach ganze Seiten leer lässt, ohne dass irgendwo ein Fehler steht.
Keines dieser Probleme hätte man einem Angebot angesehen. Alle hätten jemanden, der das System nicht kennt, mehrere Tage gekostet – oder das Projekt.
Ein Angebot, das nur den Bauteil bepreist, verschiebt diese Tage nicht, es versteckt sie. Sie tauchen später auf, als Nachtrag oder als Stillstand.
Wann Sie gar nichts ändern sollten
Dass etwas heute schnell neu gebaut werden kann, ist kein Grund, es neu zu bauen. Drei Lagen, in denen wir abraten:
- Ihre jetzige Lösung läuft und niemand beschwert sich. Der häufigste Fehler nach einem guten Verkaufsgespräch. Ein funktionierendes System zu ersetzen kostet Sie die Einarbeitung Ihres Teams – und die zahlt kein Anbieter.
- Der Prozess dahinter ändert sich gerade. Software gießt einen Ablauf in Form. Ist der Ablauf noch in Bewegung, bauen Sie zweimal. Erst den Prozess festklopfen, dann digitalisieren.
- Es gibt niemanden bei Ihnen, der das Ergebnis beurteilen kann. Dann ist Geschwindigkeit kein Vorteil, sondern ein Risiko: Sie bekommen schneller etwas, von dem Sie nicht beurteilen können, ob es trägt. In dem Fall kaufen Sie zuerst jemanden ein, der prüft – nicht jemanden, der baut.
Liegt Ihnen ein Angebot vor?
Wir sehen uns Angebote auch dann an, wenn sie von jemand anderem kommen, und sagen Ihnen, welche der fünf Fragen darin offen bleiben. Wenn das Angebot gut ist, sagen wir das auch.