Prozesse & Automatisierung
Welchen Ihrer Abläufe digitalisieren Sie zuerst? Nicht den, der am meisten nervt
Sie haben Budget für einen Ablauf, nicht für zehn. Die naheliegende Wahl – der Vorgang, über den sich im Haus alle beschweren – ist fast immer die falsche. Nicht weil das Ärgernis unberechtigt wäre, sondern weil Ärger und Eignung zwei verschiedene Dinge sind.
Warum der nervigste Ablauf selten der richtige ist
Vorgänge, über die sich alle beschweren, sind oft genau deshalb anstrengend, weil sie ständig Einzelfallentscheidungen verlangen. Jede Reklamation liegt anders, jede Ausnahmegenehmigung hat ihren Grund, jede Kundenanfrage braucht Urteilsvermögen. Genau das lässt sich nicht in Regeln gießen – und Software ist nichts anderes als festgeschriebene Regeln.
Was sich rechnet, ist der unauffällige Ablauf: der, den jemand vierzig Mal im Monat macht, immer gleich, ohne darüber nachzudenken. Er nervt niemanden, weil sich alle daran gewöhnt haben. Er kostet trotzdem jede Woche Stunden.
Die erste Automatisierung entscheidet außerdem über die zweite. Scheitert sie, bekommen Sie im Haus zwei Jahre lang kein Budget mehr für so etwas. Deshalb wählt man den ersten Kandidaten nach Erfolgswahrscheinlichkeit, nicht nach Leidensdruck.
Der richtige erste Kandidat ist häufig, regelbasiert, hat einen klaren Verantwortlichen und ein überprüfbares Ergebnis. Fehlt eines davon, nehmen Sie den nächsten.
Vier Merkmale eines guten ersten Kandidaten
Gehen Sie Ihre Abläufe mit diesen vier Fragen durch. Ein Kandidat, der alle vier erfüllt, ist selten und fast immer ein Treffer.
- Häufigkeit. Wie oft im Monat läuft der Vorgang? Alles unter zehn Mal lohnt den Aufbau selten. Der Nutzen entsteht durch Wiederholung, nicht durch Komplexität.
- Feste Regeln statt Einzelfälle. Können Sie den Ablauf einem neuen Mitarbeiter in einem Satz pro Schritt erklären, ohne „das kommt darauf an“ zu sagen? Dann ist er geeignet. Jedes „kommt darauf an“ ist später eine Ausnahme, die jemand von Hand bearbeitet.
- Ein klarer Verantwortlicher. Es muss eine Person geben, die sagen darf, wie der Ablauf künftig aussieht. Gehört er drei Abteilungen gemeinsam, wird aus dem Projekt eine Abstimmungsrunde.
- Ein überprüfbares Ergebnis. Am Ende muss etwas stehen, bei dem man sieht, ob es stimmt: ein Dokument, ein Datensatz, eine Freigabe. Abläufe, deren Ergebnis Geschmackssache ist, automatisiert man nicht – man unterstützt sie höchstens.
Drei Kandidaten, die wir im Mittelstand immer wieder sehen
Freigaben und Genehmigungen. Urlaub, Bestellungen, Rechnungsfreigaben ab einem Betrag: häufig, regelbasiert, mit klarem Ergebnis. Läuft in vielen Betrieben über E-Mail und wird genau dort zum Problem, wo niemand mehr nachvollziehen kann, wer wann zugestimmt hat.
Wiederkehrende Dokumentation. Prüfprotokolle, Mängelaufnahmen, Wartungsnachweise, Übergaben. Heute oft Papier plus Fotos vom Telefon plus eine Tabelle. Die Digitalisierung spart hier selten die Erfassung – sie spart das Zusammensuchen hinterher.
Daten, die zwischen zwei Systemen per Tabelle wandern. Jemand exportiert aus System A, sortiert in Excel um und importiert in System B. Das ist der unauffälligste und zugleich dankbarste Kandidat überhaupt: hohe Frequenz, feste Regeln, überprüfbares Ergebnis – und meist in Tagen statt Monaten erledigt.
Wann Sie bleiben sollten, wo Sie sind
Drei Lagen, in denen wir vom Anfassen abraten – und wir raten häufiger ab, als man erwartet:
- Der Vorgang läuft viermal im Jahr und kostet einen Nachmittag. Dann bleibt er in Excel. Der Aufbau, die Einarbeitung und die Pflege kosten Sie mehr als die Nachmittage, die Sie sparen.
- Der Ablauf ändert sich gerade. Neue Zuständigkeiten, neue Vorgaben, eine laufende Umstrukturierung: Dann klopfen Sie erst den Prozess fest. Software, die einen Zwischenstand abbildet, bauen Sie zweimal.
- Es gibt niemanden, der ihn verantwortet. Ohne eine Person, die entscheiden darf, wird aus jeder Detailfrage eine Sitzung. Das ist kein technisches Problem, und es löst sich auch nicht durch ein Werkzeug.
Was der erste Schritt kostet
Den Ablauf aufzuschreiben – wer macht was, wie oft, mit welchen Daten, und wo wird entschieden – ist der günstigste Teil des ganzen Vorhabens und der einzige, den Sie ohne Anbieter erledigen können. Eine Seite reicht.
Diese eine Seite beantwortet die vier Fragen oben meistens von selbst. Und sie verhindert den häufigsten teuren Fehler im Mittelstand: ein Werkzeug zu kaufen, bevor jemand den Ablauf kennt, den es abbilden soll.
Welcher Ablauf wäre es bei Ihnen?
Zeigen Sie uns einen Vorgang, der bei Ihnen regelmäßig Zeit kostet. Wir sehen ihn uns an und sagen Ihnen, ob sich das Digitalisieren für Ihre Menge lohnt – auch wenn die Antwort nein lautet.