Automatisierung & KI
Wir lassen unseren Blog von einer Maschine schreiben Das Schwierige daran war nicht die Maschine
Sie sollen „twas mit KI machen“. Gleichzeitig lesen Sie täglich Texte, denen man nach zwei Sätzen ansieht, dass eine Maschine sie geschrieben hat – und niemand will so etwas im eigenen Namen veröffentlichen. Wir haben unsere eigene Blogproduktion automatisiert und dabei gelernt, wo die Grenze zwischen beidem verläuft.
Das Erzeugen ist der leichte Teil
Der Ablauf bei uns beginnt mit einem Formular: Thema, Haupt-Keyword, Rubrik – und entweder Quellenadressen oder unsere eigenen Projektnotizen. Danach läuft die Kette allein. Die Quellen werden abgerufen und von Markup befreit, ein Sprachmodell schreibt den Artikel gegen eine festgeschriebene Redaktionsvorgabe, eine zweite Stufe prüft das Ergebnis gegen dieselbe Vorgabe. Aus der deutschen Fassung entstehen eine französische und eine englische, ein passendes Bild wird gesucht, verkleinert und in die Dateiverwaltung gelegt. Am Ende liegen drei Beiträge im Redaktionssystem.
Unveröffentlicht. Jeder Artikel ist ein Entwurf, bis ein Mensch ihn freigibt. Das ist keine Vorsichtsmaßnahme für die Anfangszeit, das ist die Konstruktion – und sie ändert sich auch nicht, wenn das Verfahren läuft.
Was daran wirklich zählt, ist nicht die Geschwindigkeit. Es sind die beiden Dinge, die weiterhin von Hand kommen: welches Thema hineingeht und welche eigene Erfahrung dazukommt. Der Rest ist Mechanik.
Die Automatisierung nimmt Ihnen das Formatieren, Übersetzen, Bildersuchen und Einpflegen ab. Sie nimmt Ihnen nicht ab, etwas zu sagen zu haben.
Dreisprachig ist in Luxemburg keine Zusatzfunktion
Ein Betrieb mit vierzig Leuten hat selten jemanden, der nebenbei regelmäßig Fachtexte schreibt – und schon gar nicht in drei Sprachen. Genau daran scheitern die meisten Firmenblogs hierzulande: Die deutsche Fassung lebt, die französische ist ein halbes Jahr alt, die englische gibt es nie gegeben.
Wir behandeln die zweite und dritte Sprache deshalb nicht als Übersetzung, sondern als Anpassung. Die französische Fassung stärkt den hiesigen Bezug, die englische hält den regulatorischen Teil allgemeiner und nennt Luxemburg nur dort, wo es trägt. Eine wörtliche Übersetzung liest sich für den französischsprachigen Leser wie ein Text, der eigentlich jemand anderem gilt – weil sie genau das ist.
Technisch sind die drei Fassungen über das Redaktionssystem miteinander verknüpft, sodass der Sprachumschalter auf der passenden Seite landet statt auf der Startseite. Das klingt nach einer Kleinigkeit und ist der Unterschied zwischen einem dreisprachigen Auftritt und drei nebeneinanderstehenden Webseiten.
Drei Entscheidungen, die den Unterschied machen – keine davon ist technisch
Dass ein Text nicht wie Massenware klingt, hängt nicht am Modell. Es hängt an dem, was man ihm verbietet.
Ein Prüfschritt hält den Entwurf gegen dieselbe Vorgabe und korrigiert, was mechanisch dagegen verstößt: fehlender Pflichtabschnitt, zu langer Meta-Titel, Dringlichkeitsfloskeln. Er ersetzt das redaktionelle Urteil nicht. Er fängt das ab, worüber niemand urteilen muss.
- Jeder Artikel muss abraten. Die Redaktionsvorgabe verlangt einen Abschnitt darüber, wann sich die Sache nicht lohnt. Das ist der wirksamste Unterschied zu generiertem Massencontent – ohne diese Anweisung empfiehlt ein Textgenerator alles, worüber er schreibt.
- Zahlen werden nicht erfunden. Jede Zahl stammt entweder aus einer verlinkten Quelle oder aus unserer eigenen Projektarbeit – und steht dann als „bei uns“ da, nie als Marktaussage. Findet sich nichts Belastbares, wird qualitativ formuliert statt geschätzt.
- Das Layout ist identisch mit dem von Hand gebauten. Gleiche Klassen, gleiche Schriften, gleiche Scroll-Animation. Sonst erkennt der Leser nach drei Sekunden, dass hier zwei Klassen von Inhalten liegen – und zieht seine Schlüsse über beide.
Was uns dabei kaputtgegangen ist
Das Schreiben war der unkomplizierte Teil. Die Zeit ging anderswo verloren.
Die Bilder lagen korrekt in der Dateiverwaltung und waren über die Adresse trotzdem nicht erreichbar – ein Rechteproblem auf dem Zielordner, das keine Fehlermeldung erzeugt, sondern nur ein fehlendes Bild. Eine Überschrift wurde künstlich fett gerendert, weil unsere Hausschrift pro Familie nur einen Schnitt mitbringt und der Browser den zweiten selbst erfindet. Und eine Konfigurationsdatei, die wir mit der Schnittstelle ausgeliefert haben, hat still eine Vorgabe des Systems ersetzt – danach waren Projektseiten leer, ohne dass irgendwo ein Fehler stand.
Keines dieser Probleme hat mit künstlicher Intelligenz zu tun. Alle drei hätten jemanden ohne Erfahrung mit dem System das Projekt gekostet. Das ist der Teil, den die Werbung für solche Werkzeuge nicht zeigt: Das Erzeugen ist billig geworden, das saubere Einfügen in einen bestehenden Betrieb nicht.
Wann sich das für Sie nicht lohnt
Es gibt drei Lagen, in denen wir davon abraten – und wir sehen alle drei regelmäßig.
- Sie brauchen ein Dutzend Artikel im Jahr. Dann schreiben Sie sie. Der Aufbau rechnet sich über die Wiederholung, nicht über den einzelnen Text.
- Niemand bei Ihnen kann die Entwürfe fachlich beurteilen. Eine Produktionsstraße ohne urteilsfähige Freigabe stellt schneller her, was Ihrem Ruf schadet. Die Freigabe ist nicht der Flaschenhals, sie ist der Zweck.
- Sie haben nichts Eigenes beizutragen. Keine Projekterfahrung, keine Zahlen aus Ihrem Haus, keine Haltung: Dann erzeugt Ihnen das Verfahren zuverlässig Texte, die es tausendfach gibt. Das Problem ist dann nicht die Automatisierung – Ihnen fehlt ein Thema.
Würde sich das bei Ihnen rechnen?
Sie überlegen, ob sich Ihre Inhalte oder ein anderer wiederkehrender Ablauf automatisieren lassen? Wir sehen uns den Ablauf an, bevor jemand etwas baut – und sagen Ihnen auch, wenn sich der Aufwand für Ihre Menge nicht lohnt.